Pornografie

Warum gib es Pornografie ĂĽberhaupt?

Dieser Abschnitt im Lexikon der Lust dreht sich um den Ursprung und den Sinn der Pornografie, nicht um eine genaue Definition.

Pornografie setzt voraus, dass die Sexualität an sich oder jedenfalls manche ihrer Formen nicht „offenkundig“ sind.

Das hieß nach dem Willen der Sittenwächter, dass sexuelle Handlungen, gleich welcher Art, niemals schriftlich oder bildlich dargestellt werden sollten. Das war schwer durchzuhalten, denn irgendwann wollte jeder junge Mann wissen, wie „es“ ging. Und jede junge Frau natürlich auch. Immerhin konnte man auf dem Lande noch das Vieh beobachten, wie es zum „Natursprung“ ansetzte. Aber der Hengst macht es nicht wie der Mann, und die Katze ist kein Vorbild für die Frau.

Die Frage "wie es geht" stand bei der alten Pornografie im Mittelpunkt

Was wieder heißt: Wie es genau geht, wurde durch „Versuch und Irrtum“ herausgefunden, mündlich verbreitet oder durch menschliche „Dorfschlampen“ oder potente menschliche „Platzhirsche“ weitergegeben.

Das allerdings galt nun wieder als „unsittlich“, ebenso wie alle diesbezüglichen Schilderungen in Wort und Bild.

Was die katholische Beichte mit pornografischen Schriften zu tun hat

Eine Institution allerdings verfügte über die Informationen in Wort und Schrift: die katholische Kirche. Und sie wurde dort auch dringend benötigt. Denn wie sollte ein Priester wissen, welche Vorgänge im geschlechtlichen Bereich „unsittlich“ waren und wo die „schweren Sünden“ lagen?

Er fand Abhilfe in dem Buch „De sancto matrimonii sacramento disputatioum“ („Gespräche über das heilige Sakrament der Ehe“). Denn so konnte der Priester nicht nur sein „Beichtkind“ nach den offenkundigen Sünden befragen, sondern sie zu intimsten Details befragen. Auch zu solchen Praktiken, die mancher Frau zu vor unbekannt war.

So kam das „Pornografische“ über den Umweg eines katholischen Sakraments unters Volk, wie es der Autor Werner Fuld recht plastisch in seinem Buch „Eine Geschichte des sinnlichen Schreibens“ darlegt.

Es ist sicher, dass es auch andere Quellen gab, doch kaum eine war dem „gemeinen Volk“ zugänglich. Bücher waren bis ins 19. Jahrhundert sehr teuer, und „Liebhaberausgaben“ so gut wie unerschwinglich. Zudem galt ihr Besitz als ehrenrührig.

Gebildete Menschen schrieben und lasen Pornografie

Und noch eines wird deutlich: Pornografie wurde zu einer bevorzugten Literatur gebildeter Kreise. Und dabei spielten Frauen eine weitaus größere Rolle, als allgemein angenommen wird. Denn während Männer sich ihr Vorwissen in Kaschemmen, Bordellen und bei niederen Ständen „abholten“, konnten Frauen dergleichen nicht wagen. Also informierten sie sich bei ihresgleichen.

Gebildete Frauen und Pornografie

Besonders in den Schulen für „höhere Töchter“, seien es das Lyzeum oder ein entsprechendes Internat, brodelte die Lust und schlug dabei große Wellen. Eine der harmloseren Erzählungen ist das bekannte „Picknick am Valentinstag“, das im Jahr 1900 spielt. Andere Schilderungen sind weitaus heftiger – man denke an die vielen Werke viktorianischer Autoren, die sich um Lüste aller Art drehte.

Die haltlose Übertreibung bei der Darstellung pornografischer Szenen und die Adressierung an Männer führte im Wesentlichen dazu, dass sich Frauen später gegen Pornografie aussprachen. Dabei geht es aber nicht um Pornografie als solche, sondern um die Abwertung von Frauen als „Sexualobjekte“.

Gegenwärtig scheint es so zu sein, dass sich Frauen wieder für erotische Schriften interessieren, und auch Freude daran haben, sinnliche erotische Szenen zu sehen.

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