Der Orgasmus bei Frauen

„Wie funktioniert der Orgasmus bei Frauen?“ ist eine der Fragen, die sich Männer oft stellen. Aber auch Frauen fargen sich manchmal: Warum ist es für mich so leicht/schwer, zu einem Orgasmus zu gelangen? Die Wurzeln liegen vermutlich tief in unserer Entwicklungsgeschichte (aber auch in der Kultur) verborgen. Dieser beitrag sucht nach möglichen antworten - und räumt mit einem Irrtum auf.

Was ist der Orgasmus?

Der Orgasmus kann als „finaler Teil des Geschlechtsverkehrs“, gewissermaßen als „Belohnung“ angesehen werden. Frauen wie Männer benötigen jedoch nicht notwendigerweise Geschlechtsverkehr, um den Orgasmus auszulösen.

Wie wirkt sich der Orgasmus aus?

Der Orgasmus (wir kommen noch darauf) wird im Gehirn produziert, also weder in der Vagina noch an der Klitoris. Dabei sammelt das Gehirn viele, Sinneseindrücke, Emotionen, Berührungen, Aktionen und sinnliche Gedanken, die aus sehr unterschiedlichen Quellen empfangen werden. Ziel der Gehirnteile, die dafür zuständig sind, ist vor allem, den kontrollierenden Teil des Gehirns völlig auszuschalten. Dadurch wird erreicht, dass der Geschlechtsakt nicht wieder unterbrochen wird, nachdem er einmal eingeleitet wurde. Die Bewusstseinsänderung geht einher mit „rhythmischer Zuckungen“ der Muskeln um Vagina, Gebärmutter und Beckenboden. Es gibt Theorien wie auch praktische Übungen, den Orgasmus zu „kontrollieren“, jedoch handelt es sich dabei um Sonderfälle, in denen Reste des Bewusstseins wie „neue Hürden“ aufgebaut und auch wieder abgebaut werden können. Diese Verfahren werden – zumal von Frauen – aber selten benutzt.

Der Prozess "Orgasmus" insgesamt (vereinfacht)

Wir können uns Sex an sich so vorstellen: Das Gehirn nimmt Informationen von außen auf, und vermischt sie mit bereits bekannten Ergebnissen früherer sexueller Aktivitäten. Daraus entsteht zunächst die Lust auf Sex, auf die dann aber noch verschiedene Auslöser und Verstärker treffen müssen. Generell wird dabei der Körper zunächst in sexuelle Bereitschaft, dann in sexuelle Leidenschaft und schließlich in den Zustand versetzt, den man als „Orgasmus“ bezeichnet. Er ist sozusagen der Teil, an dem das Gehirn sich selbst lähmt, um den Körper erbeben zu lassen.

Bei Frauen gilt die Klitoris als besonders empfindsamer „Initiator“, woraus fälschlicherweise die Meinung entstanden ist, die Klitoris würde „den Orgasmus auslösen“. Wie nahezu jede Frau beim Masturbieren erfahren kann, benötigt das Gehirn aber einige Zeit, um die Stimulation der Klitoris umzusetzen. Die Frau erfährt an sich selbst, dass dieser Prozess „in Wellen“ verläuft und zunächst immer wieder auf Hürden trifft, die vermutlich von den für die Vernunft zuständigen Gehirnteilen aufgebaut werden. Die Prozesse sind im Einzelnen völlig unbekannt, jedoch wissen wir, dass es sich um einen sehr komplizierten, vielfältigen und ereignisreichen Vorgang handelt. Soviel kann die moderne Wissenschaft immerhin mithilfe von Magnetresonanzverfahren feststellen, bei denen die betroffenen Gehirnteile „zum Leuchten“ gebracht werden.

Klitoral, vaginal oder noch woanders?

Die Diskussionen darüber, ob der Orgasmus „klitoral“, „vaginal“ oder noch anders ausgelöst wird, ist müßig, weil das Gehirn beim Sex (und also auch für den Orgasmus) zahllose Informationen bündelt, bevor der Orgasmus ausgelöst wird. Wann und wie die „endgültige Freigabe“ erteilt wird, ist so unerforscht, dass nicht einmal Randbemerkungen dazu gestattet sind. Am besten ist, selber herauszufinden, welche Reizungen mit welchen Umständen (und möglicherweise auch Vorstellungen) zusammenkommen müssen, um den Orgasmus zu erreichen.

Paradox: Orgasmus der Frau biologisch eigentlich nicht nötig

Was nun den Geschlechtsverkehr betrifft, so stehen wir vor der zunächst verblüffenden Tatsache, dass alle biologischen Funktionen auch ohne weiblichen Orgasmus „funktionieren“. Mit anderen Worten: Der weibliche Orgasmus ist zur Reproduktion nicht notwendig. Auf der anderen Seite sind Orgasmen ohne „richtigen“ Geschlechtsverkehr überaus wahrscheinlich, wenn der Körper, und hier insbesondere die Klitoris, manuell oder maschinell stimuliert wird. Die Frage, warum dies so ist, mag sich eines Tages aus der Entwicklungsgeschichte beantworten lassen. Bis heute ist sie jedoch ungeklärt.

Nachwort: Fragen Sie einen Arzt, wenn Sie Probleme haben

Frauenärzte und Männerärzte („Urologen“) sollten sich nicht nur mit dem Körper auskennen, sondern auch die Zusammenhänge erläutern können, die zwischen den Geschlechtsteilen und dem Gehirn ablaufen. Sprechen Sie Ihren Arzt daraus an, wenn Sie nicht verstehen, warum Ihr Körper in der einen oder anderen (meist dann unerwünschten) Weise reagiert.

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